Verhütung nach der Geburt

Während der ersten Wochen bzw. Monat mit einem Neugebornen, machen sich sicherlich nur die wenigsten Eltern überhaupt Gedanken, um die Verhütung nach der Geburt. Mitunter mag dies an der Rundumversorgung liegen, die der Säugling verlangt, als dass zunächst überhaupt an Sex gedacht wird.
Doch mit der Zeit nimmt für gewöhnlich auch wieder die Sexualität einen höheren Stellenwert ein. Spätestens dann stellt sich die Frage, wie sich eine erneute Schwangerschaft vorerst verhindern lässt. Welche sich eignet und ob überhaupt eine Verhütung kurz nach der Entbindung oder in der Stillzeit überhaupt notwendig ist.

Verschiedene Verhütungsmittel für nach der Entbindung

Muss nach der Geburt verhütet werden?

Immer wieder hört man, dass Frauen kurz nach der Entbindung nicht schwanger werden können. Demnach wäre also auch die Verhütung nach der Geburt völlig überflüssig. Aber was ist an dem Mythos wirklich dran? Und wenn er tatsächlich wahr ist, ab wann sollte wieder verhütet werden?

Zweierlei Faktoren sprechen in der Theorie dagegen, nach der Geburt ohne Verhütung direkt wieder schwanger werden zu können. Zum einen die noch ausbleibende Periode und zum anderen das durchs Stillen ausgeschüttete Hormon Prolaktin, welches die Aktivität der Eierstöcke hemmt.

Was theoretisch zwar durchaus einen Sinn ergeben mag, gilt in der Praxis aber nicht unbedingt als äußerst zuverlässig. Trotz der eingeschränkten Eierstöcke-Aktivitäten, kann es bereits wenige Wochen nach der Entbindung wieder zum Eisprung kommen. Die Monatsblutung setzt erst danach wieder ein.
Hinzukommend müsste voll gestillt werden, um überhaupt einen hohen Prolaktinspiegel zu erreichen. Sind die Abstände zwischen dem Stillen mal größer, so sinkt er auch schnell wieder ab.

Eine erneute Schwangerschaft lässt sich ohne Verhütung nach der Geburt nicht sicher vorbeugen. Besteht also (vorerst) kein weiterer Kinderwunsch, sollte daher auch während der Stillzeit beim Geschlechtsverkehr „richtig“ verhütet werden.

Geeignete Verhütungsmethode finden

Empfängnisverhütungsmethode mag es zwar viele geben, jedoch sind nicht alle gleichermaßen nach der Entbindung geeignet. Insbesondere in der Stillzeit, sollte eine Methode gewählt werden, die neben der sicheren Empfängnisverhütung, auch dem gestillten Baby nicht schadet.

Hormonelle Verhütungsmittel:

  • Anti-Baby-Pille: Die Pille gilt als sehr zuverlässiges Verhütungsmittel. Voraussetzung für ihre Zuverlässigkeit ist die regelmäßige Einnahme. Außerdem ist zu beachten, dass ihre Wirkung durch andere Medikamente beeinträchtigt werden kann.
    Noch stillenden Müttern wird empfohlen, nicht auf Kombinationspräparate aus Östrogen und Gestagen zurückzugreifen. Ihnen wird nachgesagt, die Milchproduktion und -qualität zu beeinträchtigen. Außerdem kann das Baby auf diesem Wege einen Teil der Hormone beim trinken mit aufnehmen.
    Als Alternative bieten viele Frauenärzte die Minipille an. Diese enthält lediglich Gestagen und wirkt sich damit nicht auf die Muttermilch aus. Dennoch wird gelangt auch bei der Mini-Pille ein Teil des Hormons in die Milch selbst.
    Die Kosten für die Pille belaufen sich auf etwa 15 bis 60 Euro alle drei Monate.
  • Dreimonatsspritze: Als Alternative zur Anti-Baby-Pille bietet sich auch die Dreimonatsspritze an. Dabei wird das Hormonpräparat alle drei Monate unter die Haut der Frau injiziert. Die Wirkung und Nebenwirkungen sind mit der Pille gleichzusetzen. Die Kosten für die Dreimonatsspritze belaufen sich je Injektion auf etwa 30 bis 45 Euro.
  • Hormonspirale: Auch die Hormonspirale funktioniert ähnlich. Die Spirale wird jedoch direkt in die Gebärmutter eingesetzt und gibt von dort kleinere Mengen des Gestagen-Hormons ab. Ihre (ebenso wie die Pille zuverlässige) Wirkung dauert üblicherweise bis fünf Jahre an, wenn sie nicht zuvor wieder entfernt wird.
    Die Hormonspirale kostet einmalig etwa 350 Euro. Auf die volle Wirkungsdauer gerechnet, liegt sie bei unter 20 Euro im Quartal.

Mechanische Verhütungsmittel (Barriereverhütungsmittel):

  • Kondom: Das Kondom ist schlichtweg der Klassiker unter den Verhütungsmitteln. Es fängt die Samenflüssigkeit auf, sodass diese nicht in die Scheide gelangen kann. Allgemein verhindert das Verhüterli den direkten Kontakt zwischen Penis und Scheidenschleimhaut, wodurch auch ein Schutz vor vielen sexuell übertragbaren Krankheiten gegeben ist. Leider jedoch stößt das Kondom nicht bei allen Männern und Frauen unbedingt auf Akzeptanz . Die Gründe sind dabei verschieden. Pariser gibt es für Frauen.
    Vom Kostenaufwand sind Kondome nicht unbedingt die günstigste Verhütungsmethode. Insbesondere, da stets auf Produkte mit Prüfsiegel zurückgegriffen werden sollte. Häufig wird das Präservativ daher auch nur in der Stillzeit verwendet und anschließend wieder zur Pille gegriffen.
  • Kupferspirale: Die Kupferspirale wird in die Gebärmutterhöhle eingesetzt. Dort gibt sie über Wirkungszeit kleinere Mengen Kupfer ab. Dies hat eine derartige Wirkung auf die Schleimhaut, dass die Samenfäden die Eizellen nicht mehr erreichen. Für das Einsetzen werden etwa 180 Euro verlangt. Sie muss alle zwei Jahre erneuert werden, um für eine sichere Verhütung sorgen zu können.
  • Diaphragma: Auch das Diaphragma ist ein sogenanntes Barriereverhütungsmittel, welches bei korrekter Anwendung als sehr zuverlässig gilt. Es wird vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina eingeführt und bildet dort eine Barriere vor der Gebärmutter. Ei- und Samenzellen treffen dadurch gar nicht erst zusammen. Ein auf natürlicher Basis hergestelltes und zusätzlich verwendetes Diaphragma-Gel senk außerdem den pH-Wert in der Scheide und hemmt dadurch die Spermienaktivität
    Aufgrund der langen Überlebenszeit der Spermien, darf das Diaphragma frühestens acht Stunden nach dem Sex wieder herausgenommen werden. Zu lang sollte es aber auch nicht drin bleiben, da nach etwa 24 Stunden die Gefahr von Ausfluss und Scheidenentzündungen besteht. Im Wochenbett ist dieses nicht-hormonelle Verhütungsmittel jedoch weniger geeignet. Außerdem bedarf es beim Einsetzen etwas Übung.
    Preislich liegt das Diaphragma bei etwa 30 bis 40 Euro. Außerdem fallen ca. 10 Euro für das Gel (Spermizidcreme) an.

Chemische Verhütungsmittel:

  • Samenabtötende Präparate: In der Apotheke gibt es samenabtötende Präparate in Zäpfchen- und Schwämmchenform, zum Einführen vor dem Geschlechtsverkehr. Letzteres muss nach einigen Stunden wieder aus der Scheide geholt werden, da es sich nicht wie das Zäpfchen auflöst.
    Die Kosten für ein solches Samen abtötendes Mittel (chemische Verhütung) variieren je nach Präparat zwischen 3 und 15 Euro.

Natürliche Familienplanung (NFP):

  • Basaltemperaturmethode: Die Basaltemperatur ist die Körpertemperatur, die mit einem Basalthermometer unmittelbar nach dem Aufstehen gemessen wird. In einem Kurvenblatt eingetragen, lässt sich anhand eines leichten Temperaturanstieges der Eisprung relativ einfach und zuverlässig bestimmen. Durch negative Einflüsse kann das Ergebnis aber auch verfälscht werden.
    Bei der Basaltemperaturmethode handelt es sich, wie bei allen anderen Methoden der natürlichen Familienplanung (NFP) jedoch um kein direktes Verhütungsmittel. Über das Thermometer hinaus, entstehen keine weiteren Kosten.
  • Billingsmethode: Mit der Billings-Methode lassen sich die fruchtbare Tage der Frau über den Zervikalschleim bestimmen. Der Zervixschleim verändert im Laufe eines Zyklus seine Beschaffenheit. Natürlich bedarf es viel Übung, um nach der Billingsmethode die fruchtbaren Tage zu bestimmen. Kosten entstehen bei dieser Methode der natürlichen Familienplanung keine.
  • Ovulationstest: Eine weitere Möglichkeit der natürlichen Familienplanung, ist das Messen des Hormonspiegels. Etwa 24 bis 36 Stunden vor dem Eisprung steigt die Konzentration vom luteinisierenden Hormon an. Mittels Ovulationstest lässt sich dieser Anstieg über den Urin nachweisen. Bei einem positiven Test sollte besser auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden, da eine erhöhte Wahrscheinlichkeit besteht, im besagten Zeitraum schwanger zu werden.
    Ovulationstest sind je nach Ausführung (analog/digital) und Packungsinhalt schon ab etwa 5-7 Euro zu haben.

Operative Verhütungsmittel:

  • Sterilisation bei der Frau: Die Sterilisation führt zu dauerhafter Unfruchtbarkeit der Frau. Mittels operativen Eingriff werden beide Eileiter verschlossen, sodass ein Zusammentreffen von Eizellen und Spermien verhindert wird. Dieser Zustand ist folglich permanent, weshalb nur Sterilisation geraten wird, wenn die Familienplanung vollkommen abgeschlossen ist und kein (weiterer) Kinderwunsch mehr besteht. Eine künstliche Befruchtung ist (unter deutlich geringeren Erfolgsaussichten) aber auch weiterhin noch möglich.
    Der Eingriff wird je nach Verfahren mit zwischen 600 und 1.600 Euro veranschlagt. Die Kosten werden durch die gesetzliche Krankenkasse nur in Einzelfällen übernommen, wenn aus medizinischen oder psychischen Gründen von einer weiteren Schwangerschaft abgeraten wird.
  • Sterilisation beim Mann: Bei der Vasektomie werden beide Samenleiter im Hodensack durchtrennt. Nach diesem operativen Eingriff können folglich keine Spermien mehr in die Samenflüssigkeit gelangen. Die Sterilisation beim Mann ist (wie auch bei der Frau) ebenfalls beständig und sollte daher nur bei abgeschlossener Familienplanung erwogen werden.
    Zwar lassen sich die Samenleiter in einer weiteren Operation meist wieder problemlos verbinden, jedoch ist die ausreichende Spermienproduktion aus verschieden körperlichen Gründen oft nicht mehr gewährt. Das vorherige (kostenpflichtige) Einfrieren einer oder mehrere Spermienproben ist eine Alternative zur Refertilisierung, muss jedoch vor der Sterilisation erfolgen.
    Die Vasektomie (aus nicht-medizinischen Gründen) beim Mann kostet etwa 500 Euro. Notwendige Kontrolluntersuchungen können separat in Rechnung gestellt werden.

Bei Unsicherheit ist es sicherlich nicht verkehrt, auch mit dem Frauenarzt, über eine geeignete Verhütungsmethode für die Zeit nach der Geburt, zu sprechen.

Sind von vor der Schwangerschaft noch ein oder mehrere Blister (Tablettenstreifen) der Anti-Baby-Pille übrig geblieben, so ist auch hier Rücksprache mit dem Arzt zu halten. Dies gilt insbesondere für die Stillzeit! Ungeachtet dessen ist aber zudem auch auf das Mindesthaltbarkeitsdatum zu achten.

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