Verhütungsmittel ohne Hormone

Verhütungsmittel ohne Hormone gelten als Alternative zur Pille und ähnlichen Präparaten, die allesamt nicht frei von Nebenwirkungen sind. Allein der Umstand, dass dem Körper unter Einfluss künstlicher Hormone jeden Monat eine Schwangerschaft vorgespielt wird, lässt immer mehr Frauen nach einer Alternativmethode blicken. An einer großen Auswahl hormonfreier Verhütungsmethoden soll es dabei aber gewiss nicht mangeln.

Kondom als Verhütungsmittel ohne Hormone

Nachteile einer hormonellen Verhütung

Hormonelle Verhütungsmittel wie die Antibabypille, der Verhütungsring, das Verhütungspflaster oder ein Implantat, bieten zwar große Sicherheit, haben dafür aber auch viele Nachteile. Typische Nebenwirkungen von künstlichen Hormone können sein:

  • Gewichtszunahme
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • sexuelle Lustlosigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Zwischenblutungen

Über die möglichen Nebenwirkungen hinaus, wird außerdem das Risiko für folgende schwerwiegende Erkrankungen gesteigert:

  • Brustkrebs
  • Thrombosen
  • Embolien
  • Herz- & Kreislauferkrankungen

Darüber hinaus sind die östrogenhaltigen Verhütungsmittel vor allem in der Stillzeit ungeeignet, da die Geschlechtshormone die Milchbildung stören können. Zudem besteht die Gefahr, dass zu viele der künstlichen Hormone in die Muttermilch gelangen und somit über die Brust auch vom Baby aufgenommen werden.
Der Umstand dass gestillt wird, bietet selbst keinen ausreichenden Schutz, während dieser Zeit nicht wieder schwanger zu werden. Auch stillende Mütter sollten sich daher um eine geeignete Verhütung nach der Geburt kümmern.

Hormonfreie Verhütungsmittel & Verhütungsmethoden

Hormonfreie Verhütungsmethoden haben meist vergleichsweise deutlich weniger Nebenwirkungen, als viele der erhältlichen Antibabypillen. Die Vor- und Nachteile der einzelnen Verhütungsmittel ohne Hormone sollte jedoch jede Frau für sich selbst abwägen.

Kondom

Das Kondom ist mit Abstand wohl das bekannteste und gängigste Verhütungsmittel ohne Hormone. Richtig angewendet, bietet das Kondom für den Mann einen sehr sicheren Verhütungsschutz. Außerdem schützt es auch vor sexuell übertragbaren Infektionen, wie zum Beispiel HIV.

Obwohl das Kondom leicht anzuwenden ist, ist der häufigste Grund seines Versagens, dass es beim Öffnen beschädigt oder falsch übergezogen wird. Darüber hinaus wird vorausgesetzt, dass es im Eifer des Gefechts nicht vergessen wird.

Im Falle einer Latex-Allergie – oftmals auch ein lediglich durch den Mann vorgeschobener Grund – gibt es auch latexfreie Kondome aus Polyisopren.

Frauenkondom

Kondome gibt es längst nicht mehr nur für den Mann, sondern auch speziell für Frauen. Das Frauenkondom besteht dabei aus einer dünnen Kunststoffhülle und ähnelt einer überdimensionierten Männerkondom. An beiden seiner Enden befinden sich flexible Ringe. Bei der Anwendung deckt ein Ring den Muttermund ab, während der andere außerhalb der Scheide vor den großen Schamlippen positioniert wird.

Ebenso wie beim Kondom für den Mann, schützt auch das Frauenexemplar vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Verhütungssicherheit beim Frauenkondom ist statistisch gesehen zwar etwas geringer, korrekt angewendet dagegen aber in etwa wieder gleich auf. Die Gründe eines möglichen Versagens gleichen sich bei den Varianten für Mann und Frau.

Darüber hinaus ist das Kondom für die Frau in der Regel etwas teurer (Femidom: ca. 3 bis 4 Euro pro Stück) und an deutlich weniger Verkaufsstellen erhältlich, als wie die klassische Männervariante. Bezugsquellen sind Apotheken (meist nur auf Bestellung) und ebenso das Internet (häufig sogar mit Preisvorteil).

Diaphragma

Ist eine Verhütung ohne Hormone und Kondom gewünscht, bietet sich das Diaphragma an. Dabei handelt es sich um eine flexible Silikonkappe in Kuppelform, dessen unterer Ring eine eingearbeitete Flach- oder Spiralfeder enthält.

Das Diaphragma wird unmittelbar vor dem Geschlechtsakt (maximal aber zwei Stunden davor) vor dem Muttermund in die Scheide eingesetzt. Zusätzlich wird die Verwendung eines speziellen Gels empfohlen, um den Verhütungsschutz zu erhöhen. Dieses enthält den Wirkstoff Nonoxinol, welches die Spermien abtötet. Alternativ bietet sich aber auch ein auf Milch- oder Zitronensäure basierendes Mittel an, durch das die Spermien in ihrer Beweglichkeit gehemmt werden.
Nach dem Geschlechtsverkehr muss das Diaphragma noch für mindestens sechs Stunden in der Scheide der Frau verbleiben. Spätestens aber nach 24 Stunden ist es wieder zu entfernen und mit lauwarmen Wasser zu reinigen.

In Sachen Verhütungsschutz steht das Diaphragma dem Kondom in kaum etwas nach. Vorausgesetzt ist aber auch hier die korrekte Anwendung. Für einen exakten Sitz ist die richtige Diaphragma-Größe umso bedeutender. Insgesamt werden neun verschiedene Größen angeboten, die individuell beim Frauenarzt angepasst werden müssen.
Natürlich ist vor jedem Geschlechtsverkehr an das Einsetzen zu denken. Viele Paare empfinden diese Verhütungsmittel ohne Hormone daher eher als Einschränkung bei der Ausübung ihrer sexuellen Spontanität. Außerdem neigen Frauen statistisch gesehen etwas häufiger zu einer Harnwegsinfektion, wenn sie mit einem Diaphragma verhüten.

Einen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten bietet das Scheidenpessar jedoch nicht!

Kupferspirale

Eine weitere hormonfreie Alternative ist die Kupferspirale. Sie ist ein mit Kupferdraht umwickelter Kunststoffträger, der direkt in die Gebärmutter eingesetzt wird.
Das Kupfer gibt stetig Kupferionen ab, welche die Beweglichkeit der Spermien stört und sie ebenfalls in ihrer Lebensdauer hemmt. Als Fremdkörper verursacht die Kupferspirale zudem eine ungefährliche Entzündung der Gebärmutterschleimhaut. Auch diese führt zum absterben der Spermien, verhindert aber gleichzeitig auch ein Einnisten.

Größter Vorteil der Kupferspirale ist, dass nicht vor jedem Geschlechtsverkehr an die Verhütung gedacht werden muss. Nach dem Einsetzen zeigt sie über fünf Jahre ihre Wirkung, ehe ein Auswechseln notwendig wird. Anwendungsfehler sind daher auch nicht möglich.

Leider jedoch ist die Spirale mit vielen möglichen Nebenwirkungen verbunden. So bewirkt sie bei einigen Frauen stärkere Monatsblutungen und Regelschmerzen. Mit Schmerzen kann auch das Einsetzen selbst verbunden sein. Dabei kann es sogar zu Verletzungen der Gebärmutter kommen. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für eine Entzündung im Beckenraum.
Der Schutzfaktor der Kupferspirale ist recht hoch. Kommt es jedoch dennoch zu einer ungewollten Schwangerschaft, so erhöht sich das Risiko einer Eileiterschwangerschaft. Verläuft diese jedoch normal, sollte die Spirale wieder gezogen werden, was allerdings auch mit einem hohen Fehlgeburtsrisiko verbunden ist.

Kupferkette

Die hormonfreie Kupferkette wirkt nach dem gleichen Prinzip der Kupferspirale. Sie gilt als moderne Weiterentwicklung und liegt nicht lose in der Gebärmutterhöhle, sondern wird durch einen Widerhaken fest im Gebärmuttermuskel verankert. Durch einen Zug am Rückholfaden kann die Gynefix leichter entfernt werden, was im Bedarfsfall jedoch auch durch den Frauenarzt und nicht selbst zu erledigen ist.

Neben sonst gleichen Vorteilen, bietet die Kupferkette jedoch eine allgemein bessere Verträglichkeit, als wie bei der Kupferspirale. Zudem bietet sie einen leicht höheren Verhütungsschutz.

In seltenen Fällen kann die Kette verloren gehen, wenn sie nicht richtig am Gebärmuttermuskel verankert wurde. Bei einer falschen Einlage kann sie außerdem durch den Muskel durchgeschoben werden.

Natürliche Familienplanung

Zu dem hormonfreien Verhütungsmethoden der natürlichen Familienplanung (kurz: NFP) zählen unter anderem die Basaltemperaturmethode, sowie die Billings-Methode. Bei beiden werden, durch die Beobachtung verschiedener Körperanzeichen, die fruchtbaren Tage bestimmt und über mehrere Zyklen ausgewertet.
Etwa fünf bis sechs Tage vor und einem nach dem Eisprung, ist gänzlich auf den Geschlechtsverkehr zu verzichten oder alternativ auf ein anderes hormonfreies Verhütungsmittel (z. B. einem Kondom) zurückzugreifen.

Insbesondere bei der Kombination mehrerer Bestimmungsmethoden der fruchtbaren Tage, gilt die natürliche Familienplanung als äußerst sicher. Außerdem ist es eine sehr günstige Verhütungsmethode, die auch ohne Arzt und Fremdkörper auskommt.

Die NFP setzt eine hohe Bereitschaft der Frau voraus, sich mit ihrem eigenen Körper auseinanderzusetzen. Besonders in den ersten Monaten, erscheint dies recht aufwändig. Die fehlende Disziplin dieser Bereitschaft ist einer der häufigsten Gründe eines Versagens dieser hormonfreien Verhütungsmethode. Aber auch Störfaktoren wie Krankheiten oder die Medikamenteneinnahme können sich negativ auf die Bestimmung der furchtbaren Tage auswirken.

Äußerst hilfreich bei der natürlichen Verhütung über die symptothermalen Methode kann ein Zykluscomputer sein.

Sicherheit der hormonfreien Verhütung im Überblick

Anhand des Pearl-Index lässt sich die Verhütungssicherheit der einzelnen Verhütungsmethoden und -mittel vergleichen. Dieser entspricht der statistischen Anzahl an Schwangerschaften, zu denen pro hundert sexuell aktiver Frauen kommt, die nach der jeweiligen Verhütungsmethode verhütet haben. Je niedriger der Pearl Index liegt, desto sicherer gilt das Verhütungsmittel. Zu beachten ist, dass bei der Berechnung Anwendungsfehler mit einfließen.

Verhütungsmethodemin. Pearl-Indexmax. Pearl-Index
Antibabypille0,10,9
Basaltemperaturmethode0,83
Billings-Methode535
Coitus interruptus430
Diaphragma120
Kondom212
Kondom für die Frau525
Kupferkette0,10,3
Kupferspirale0,30,8

Einen ähnlichen Schutz wie die Antibabypille bieten lediglich die Kupferkette und Kupferspirale. Dennoch sollte berücksichtigt werden, dass insbesondere die Anwendungsfehler, den Pearl-Index hochtreiben. Wird beim Kondom beispielsweise von einer hundertprozentig korrekten Anwendung ausgegangen, so sinkt sein Index von 2,0 auf nur noch 0,6.

Junge Frauen, die von der Pille, auf ein sicheres Verhütungsmittel ohne Hormone umsteigen wollen, sollten sich in jeden Fall, durch ihren Frauenarzt beraten lassen. Dieser hilft aufgrund seiner medizinischen Erfahrung gern, eine geeignete hormonfreie Verhütungsmethode zu finden.

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