Social Freezing – Eizellen einfrieren und den Kinderwunsch verschieben

Obwohl die biologische Uhr tickt, entscheiden sich immer mehr Frauen aus sozialen Gründen den Kinderwunsch aufzuschieben. Um im fortgeschrittenen Alter größere Chancen auf eine Schwangerschaft zu haben, lassen viele einige ihrer unbefruchteten Eizellen einfrieren.
Ursprünglich war die Eizellen-Konservierung dazu gedacht, um an Krebs erkrankten Patientinnen, auch nach einer Chemotherapie noch die Kinderwunscherfüllung zu ermöglichen. Heute jedoch sind die Beweggründe fürs Social Freezing häufig anderer Natur.

Eingefrorene Eizellen zur künstlichen Befruchtung im Alter

Social Freezing gegen die biologische Uhr

Die „Notwendigkeit“ des Social Freezings besteht darin, dass die Fruchtbarkeit der Frau, mit steigendem Alter, kontinuierlich abnimmt. Während ein Mädchen mit circa einer Millionen Eizellen geboren wird, sind bis zu ihrer Pubertät noch rund 400.000 übrig. Monat für Monat werden es etwa 1.000 weniger. Dies entspricht einer Reduzierung von rund 12.000 Eizellen pro Jahr.
Darüber hinaus sinkt mit steigendem Lebensalter auch die Eizellen-Qualität. Das erschwert wiederum nicht nur die Zeugung, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit für eine geistige oder körperliche Entwicklungsstörung des Kindes. Außerdem steigt gleichzeitig auch das Fehlgeburtsrisiko.

Gründe fürs Social Freezing

Einer der häufigsten Gründe für das Social Freezing ist es, dass Frauen sich erst einmal für die Kariere entscheiden. Die Familienplanung ist dabei regelrecht auf Eis gelegt. Trotzdem soll sich mit dem Einfrieren der Eizellen die Option offen gehalten werden, im Alter doch noch ein Baby bekommen zu können.

Aber auch, wenn der richtige Lebenspartner bisher noch nicht gefunden ist, entscheiden sich immer mehr Frauen mit Kinderwunsch ihre Eizellen zu konservieren. Denn auch wenn die Suche und Hoffnung – und das zurecht – auf die große Liebe nicht aufgegeben werden mag, läuft schließlich die Biologische Uhr irgendwann trotzdem ab.

Optimaler Zeitpunkt um Eizellen einfrieren zu lassen

Aus biologischer Sicht ist der optimale Zeitpunkt für eine Schwangerschaft mit 20 bis 24 Jahren. Während dieser Altersspanne ist auch die Chance schwanger zu werden mit ca. 86 Prozent am höchsten.
Bis zum 40. Lebensjahr fällt sie auf nur noch 36 Prozent. Im Alter von 45 und 49 Jahre ist die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit mit knapp 5 Prozent kaum noch gegeben.

Der optimale Zeitpunkt, um die Einzellen einfrieren zu lassen, richtet sich nach dieser biologischen Uhr. Wird sich für das Social Freezing entschieden, so sollte die Eizellenkonservierung optimaler Weise im Alter von 20 bis 30 Jahren geschehen.
Als äußerste Altersgrenze für das Social Freezing wird jedoch das 35. Lebensjahr empfohlen. Zwar ist es grundsätzlich auch danach noch möglich, jedoch sinken die Erfolgschancen bei der späteren Befruchtung rapide. Außerdem ist natürlich auch die sinkende Eizellenqualität zu berücksichtigen.

Ablauf beim Eizellen einfrieren

In der ersten Phase beim Social Freezing werden Eierstöcke (ähnlich wie bei der konventionellen Kinderwunschbehandlung) hormonell stimuliert. Das Wachstum der Follikel wird dabei via Ultraschall kontrolliert.
In einem weiteren Schritt werden schließlich im Kinderwunschzentrum die Eierstöcke mit einer Nadel punktiert und die Eizellen abgesaugt. Die Punktierung bzw. Entnahme erfolgt über die Scheide.
Unmittelbar danach, werden die etwa fünf bis fünfzehn entnommenen Eizellen auf ihre Qualität hin untersucht und schließlich eingefroren.

Zum Einfrieren der Eizellen gibt es zwei unterschiedliche Verfahren. Das Slow Freezing findet heute jedoch kaum noch Anwendung, da meist nur wenige Eizellen den langsamen Gefriervorgang überstehen.
Deutlich erfolgsversprechender ist da die Vitrifikation. Bei dieser Methode werden die entnommenen Eizellen im -196° C kalten, flüssigen Stickstoff schockgefroren. Die Überlebensrate der reifen Eizellen liegt bei der Vitrifizierung bei etwa 80 bis 95 Prozent.

Eizellen einfrieren: Risiken & Erfolgschancen

Die Erfolgschancen sind grundsätzlich erst einmal abhängig vom Alter der Frau, sowie Eizellenqualität bei Entnahme. Junge Eizellen überstehen die Vitrifikation meist unbeschadet. Wurden diese jedoch mit über die empfohlene Altersgrenze von 35 Jahren hinaus entnommen, ist damit zu rechnen, dass nur noch jedes dritte nach der Kältekonservierung zur Befruchtung geeignet ist.

Allgemein sind die Chancen auf eine Schwangerschaft durch künstliche Befruchtung jedoch geringer, als wenn es zum Zeitpunkt der Entnahme auf natürlichem Wege versucht würde. Die Social Freezing Erfolgsrate beträgt nur etwa 25 Prozent je Befruchtungseingriff.

Social Freezing Kosten

Die Kosten für das Social Freezing lassen sich nur schwer pauschalisieren. Mindestens sollte jedoch mit 10.000 Euro für die Entnahme, Einlagerung und künstliche Befruchtung gerechnet werden. Angesichts, dass bei vielen Frauen mehreren Behandlungszyklen notwendig sind, kann sich dieser Betrag schnell verdoppeln und vervielfachen.

Eine Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenkassen für das Social Freezing findet in Deutschland üblicherweise nicht statt. Die Kosten, für das vorsorgliche Einfrieren von unbefruchteten Eizellen ohne medizinischen Grund, sind von der Frau selbst zu tragen.

Eher unüblich ist es, dass der Arbeitgeber diese übernimmt oder sich zumindest daran beteiligt. Mitunter kann es aber in seinem Interesse liegen, wie z. B. Apple und Facebook es vorgemacht haben.

Social Freezing: Pro & Contra

Die Vor- & Nachteile beim Social Freezing muss natürlich jede Frau für sich selbst bzw. ggf. auch gemeinsam mit dem Partner abwägen:

  • Ist die Karriere (oder sonstiger Beweggrund) momentan wichtiger, als die Erfüllung des Kinderwunsches?
  • Soll dafür wirklich eine geringere Schwangerschaftswahrscheinlichkeit in Kauf genommen werden, als vorher auf natürlichem Wege?
  • Werden die möglichen Nebenwirkungen (Kopfschmerz, Übelkeit, Herzrasen oder Überstimulation) durch die anfängliche Hormonbehandlung in Kauf genommen?
  • Und lässt sich Social Freezing mit der eigenen Ansicht von Ethik vereinbaren?

Bevor eine Entscheidung getroffen wird, sollten sich Frauen jedoch auch ausführlich in einem Kinderwunschzentrum bzw. der anbietenden Klinik oder einer Beratungsstelle über das Pro und Contra von Social Freezing beraten lassen.

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