Still-FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Stillen

Viele Mütter entscheiden sich dazu, ihr Baby nach der Geburt zu stillen. Eine Entscheidung, die auch die WHO gutheißt. Muttermilch enthält wichtig Nährstoffe, die das Neugeborene für einen gesunden Wachstum benötigt. Außerdem stärken ihre Inhaltsstoffe die Immunität des Kindes. Dass besonders am Anfang viele Fragen zum Stillen auftreten, ist völlig normal.

Mutter beim stillen ihres Säuglings

Wie oft stillen?

Muttermilch ist leicht- und schnellverdaulich, daher kann es sein, dass das Baby nahezu alle zwei Stunden nach Nahrung verlangt. Neugeborne sind meist sogar noch schneller wieder hungrig. Es ist also üblich, sein Baby acht bis zwölf mal pro Tag (24h) zu stillen.

Letztendlich sollte sich aber an keiner Zahl festgehalten werden, sondern nach den Bedürfnissen des Kindes. Diese wird es durch verschiedene Signale zeigen, wie allgemeines unruhig sein, Zunge herausstrecken, schmatzende Geräusche oder saugen an seinen Händchen.

Wie lang dauert eine Stillmahlzeit?

Für die Dauer einer Stillmahlzeit gibt es keine festgelegte Zeit. Sie kann sehr unterschiedlich sein. Manchen Babys reichen fünf Minuten, da sie sehr schnell trinken, andere sind quasi Genießer und benötigen eine Dreiviertelstunde. Natürlich ist beides ist okay.

Oftmals dauern die Mahlzeiten zu Beginn der Stillzeit länger, weil sich Mutter und Kind erst noch besser aufeinander einstellen müssen. Im Laufe der Zeit geht das Stillen dagegen immer schneller von statten.

Trinkt das Baby genug?

Eine Sorge vieler Mütter ist, dass ihr Neugebornes nicht genug trinkt, um satt zu werden. Insbesondere, wenn das Baby häufig an die Brust möchte, verstärkt dies die Besorgnis. Nicht selten folgen Selbstzweifel, die Milchproduktion würde vielleicht gar nicht ausreichen.

In aller Regel ist diese Sorge aber bei einer gesunden Mutter, mit gesundem Kind, völlig unbegründet. Sichere Indizien dafür, dass das Baby mit ausreichend Muttermilch versorgt wird und nicht verhungert, sind:

  • 5-8 nasse Windeln pro 24 Stunden
  • das Baby ist agil und fit
  • rosige und straffe Haut
  • stetige Gewichtszunahme
  • das Kind lässt beim Stillen irgendwann allein von der Brust ab

Wie lange stillen?

Die WHO empfiehlt Säuglinge mindestens bis zum sechsten Lebensmonat zu stillen. Es sollte jedoch stets eine persönliche Entscheidung sein, wie lang gestillt wird.
Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch geeignete Säuglingsnahrung aus dem Fläschchen bestehen nicht.
Genauso wenig schädlich für die Gesundheit ist Langzeitstillen. Hierbei sollte jedoch auf eine entsprechende Beikost geachtet werden.

Bekommt man von zu langem Stillen Hängebrüste?

Viele Frauen fürchten sich, von zu langem Stillen Hängebrüste zu bekommen. Doch die Sorge ist jedoch unbegründet, ist die Länge der Stillzeit nicht für einen Hängebusen verantwortlich.

Hängebrüste entstehen durch Überdehnung des Brustgewebes. Dabei findet die Dehnung überwiegend während der Schwangerschaft statt. Hält das Gewebe der Spannung nicht stand, wird es irreparabel beschädigt und verliert seine Straffheit.
Experten gehen davon aus, dass die Anzahl an Schwangerschaften, wie auch das Alter und der BMI bei der Elastizität des Brustgewebes eine wichtige Rolle spielen, nicht aber die Stillzeit.

Es wird jedoch empfohlen einen speziellen Still BH zu tragen. Dieser entlastet die Brüste beim Stillen.

Ist die Muttermilch-Menge von der Busengröße abhängig?

Ein weiterer beliebter Mythos ist, dass ein großer Busen mehr Muttermilch produziert, als ein kleiner. Der Gedanke mag zwar nahe liegen, ist jedoch falsch!

Die Busengröße ist abhängig vom Anteil des Fettgewebes und hat nichts mit der Milchproduktion zu tun. Dafür ist das Drüsengewebe verantwortlich, welches in keinem Zusammenhang mit der Oberweite steht. Ein kleiner Busen kann genauso viel Muttermilch liefern, wie ein großer.

Worauf bei der Ernährung in der Stillzeit achten?

Während der Stillzeit sollte sich ähnlich gesund wie in der Schwangerschaft ernährt werden. Koffein sollte weitestgehend und auf Alkohol (wie auch Rauchen) vollständig verzichtet werden.

Auch vor Diäten während des Stillens wird abgeraten. Während der ersten sechs Monate benötigt der Körper zusätzlich etwa 500 Kalorien pro Tag, um den Bedarf für Mutter und Kind decken zu können.
Insbesondere Fasten kann schwerwiegende Folgen haben, da sich dabei Giftstoffe aus dem Körperfett lösen können. Diese gelangen folglich über die Blutbahn bis hin in die Muttermilch und somit beim Stillen auch in den Körper des Babys.

Ist Stillen in der Öffentlichkeit erlaubt?

Ein heikles Thema unserer heutigen Gesellschaft ist Stillen in der Öffentlichkeit. In Deutschland ist es zwar nicht verboten, sein Kind in der Öffentlichkeit über die Brust zu nähren, jedoch fühlen sich manche Mitmenschen daran gestört. Vielleicht nicht aus Rücksicht auf, sondern viel mehr um bösen Beschimpfungen aus dem Weg zu gehen, sollte diskreter weise vielleicht ein Stilltuch genutzt werden.

Da in Deutschland jedoch kein Gesetz zum Schutz stillender Mütter existiert, gilt es stets das Hausrecht zu beachten. So kann z. B. ein Restaurantbesitzer das Stillen in seinem Lokal untersagen.
Andere Länder sind hier deutlich weiter und schützen stillende Frauen durch ein Anti-Diskriminierungsgesetz.

Ist Haare färben in der Stillzeit erlaubt?

Ähnlich wie schon in der Schwangerschaft, haben viele Frauen auch während der Stillzeit Bedenken, ob sie sich die Haare färben dürfen. Grundsätzlich ist es ihnen natürlich selbst überlassen, jedoch haben Studien ergeben, das bestimmte Chemikalien über die Kopfhaut der Mutter aufgenommen werden und bis in die Muttermilch nachgewiesen werden können. Eine Langzeitstudie oder ein Nachweis inwieweit dies schädlich für das Baby ist, existiert derweilen jedoch nicht.

Auch Friseure sind sich uneinig, was das Haare färben in der Stillzeit betrifft: Manche sehen gar kein Problem, andere empfehlen nur Strähnen und einige raten ganz davon ab. Letztendlich bleibt es der Mutter also selbst überlassen.
Bei Bedenken bieten sich natürlich auch andere Alternativen wie z. B. Farbshampoos an.

Stillen bei Krankheit und Einnahme von Medikamenten?

Allgemein enthält die Muttermilch Schutzstoffe gegen Krankheiten, sodass das Baby vor eine Ansteckung geschützt wird.

Vor Medikamenten sollte nicht nur in der Schwangerschafts- sondern auch Stillzeit weitestgehend Abstand genommen werden. Wird die Medikamenteneinnahme jedoch durch den Arzt empfohlen, so ist dieser zwingend auf den besonderen Umstand aufmerksam zu machen. Er kann dazu beraten, ob ein Stillen mit dem verordneten Medikament ohne weitere Bedenken möglich ist. Ggf. kann auch eine andere Arznei verschrieben werden, die ein Weiterstillen ermöglicht.

Stillen wenn das Baby krank ist?

Ja, grade wenn das Baby krank ist, braucht es die wichtigen Schutzstoffe der Muttermilch umso mehr. Insbesondere aber bei Erbrechen oder Durchfall ist sorgt die Milch für die nötige Flüssigkeitszufuhr, die es nun unbedingt braucht.
Umso wichtiger ist es, auf eine ausreichende Zufuhr zu achten, denn Erkrankungen führen gerne zu Appetitlosigkeit.
Natürlich ersetzt das Stillen des kranken Kindes nicht die Behandlung durch einen Kinderarzt!

Stillen mit Brustkrebs?

Das Stillen bei Brustkrebs selbst, stellt in der Regel kein Problem dar. Entscheidender ist, ob der Krebs währenddessen behandelt wird: Mediziner raten allgemein davon ab, das Kind während der Krebstherapie zu stillen, da die Medikamente auch in die Muttermilch übergehen.

Auch nach kurzzeitig zurückliegendem Abschluss einer Krebsbehandlung, sollte Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden, um Rückstände in der Milch auszuschließen. Grundsätzlich jedoch darf nach abgeschlossener Therapie gestillt werden.

An wem soll ich mich bei Stillproblemen wenden?

Bei Stillproblemen wenden sich viele frischgeborene Mütter als erstes an ihre Nachsorgehebamme. Als Betreuung für Mutter und Kind nach der Geburt, sollte sie schließlich vertraut mit derartiger Problematik sein. Häufig kann sie auch nützliche Still-Tipps geben und beim Anlegen helfen.

Sollten sich die Stillprobleme mit der Hebamme jedoch nicht kurzzeitig lösen lassen, empfiehlt es sich, eine professionelle Stillberaterin aufzusuchen. Diese ist speziell auf Probleme beim Stillen geschult und in der Regel auch deutlich erfahrener.

Aber auch in Stillgruppen können sich Mütter mit anderen Frauen über ihre Erfahrungen und Probleme austauschen. Eine Gruppe in der Nähe kann z. B. hier gefunden werden.

Das Stillen klappt nicht, bin ich eine schlechte Mutter?

Nein! Unabhängig davon, ob es mit dem Stillen nicht klappen will oder gar nicht gewollt ist, sollten sich keine Vorwürfe dafür gemacht werden. Die Brust zu geben ist eine persönliche Entscheidung, die sowohl Mutter, als auch Kind zu wollen haben. Geeignete Flaschennahrung für Säuglinge ist völlig ausreichend für eine gesunde Kindesentwicklung.

Bei Stillproblemen kann natürlich eine Stillberatung zu Hilfe gezogen werden. Häufig lassen sich die Probleme lösen. Aber auch wenn dieses Angebot nicht in Anspruch genommen wird – ob nicht gewollt oder aus Unwissenheit – ist auch das kein Grund für Vorwürfe.

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