Stillprobleme – Häufige Probleme beim Stillen

Stillprobleme sind nichts ungewöhnliches. Sie können jede Mutter, wie auch jedes Baby betreffen. Ob beim ersten, zweiten oder dritten Kind spielt dabei nicht unbedingt eine Rolle. Besonders gerne treten sie aber zu beginn der Stillzeit auf.
Viele Frauen fühlen sich bei den ersten Problemen aber gleich verunsichert und schnell auch frustriert. Nicht selten wird daher frühzeitig abgestillt und stattdessen zur Flaschennahrung gegriffen.
Natürlich ist jeder Frau selbst überlassen, wie lange sie ihr Baby stillt. Doch die Entscheidung sollte gut durchdacht und nicht übereilt durch Frust gefällt werden. Häufig lassen sich Stillprobleme wieder in den Griff bekommen.

Baby trinkt Muttermilch über die Brust seiner Mama

Typische Probleme beim Stillen

Genauso verschiedenen wie sich die Probleme äußern, können natürlich auch ihre Ursache sein. Stillen ist Teamarbeit: Mal will es bei der Mutter nicht klappen, mal beim Kind nicht. Vorwürfe sind aber fehl am Platze, denn Stillprobleme sind gerne eine Laune der Natur und lassen sich nicht wirklich beeinflussen.

Milchstau

Zu einem Milchstau kann es kommen, wenn die Muttermilch nicht richtig abfließt. Ein solcher Stau äußert sich durch eine teilweise oder vollständig harte Brust. Außerdem können Rötungen und Knoten folgen. Auf Druck reagiert der Busen auch sehr schmerzempfindlich.

Mögliche Ursachen für einen Milchstau in der Stillzeit können sein:

  • Zu häufiges Anlegen des Babys an der anderen Brust, sodass die vom Milchstau betroffene nicht vollständig geleert wurde.
  • Ein zu enger BH, der den Busen zu sehr einschnürt.
  • Ebenfalls kann ein Milchstau durch seelische Probleme verursacht werden.

Um einen Milchstau vorzubeugen, sollte natürlich stets ein BH in der richtigen Größe getragen werden. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Oberweite während der Schwangerschaft üblicherweise zunimmt. Ein vorher gekaufter BH schnürt gerne die Brüste ab.
Ebenfalls sollte darauf geachtet werden, dass Baby nicht nur einseitig, sondern ungefähr gleichmäßig verteilt zu stillen. Lässt das Kind dies nicht zu, sollte die andere Brust manuell mit einer Milchpumpe geleert werden.

Wenn sich bereits ein Milchstau ankündigt, sollte das Baby stets so an die betroffnere Brust angelegt werden, dass sein Kinn in Richtung der schmerzenden Stelle zeigt.
Außerdem lässt sich der Milchfluss durch Wärme anregen. Hier bieten sich heiße Duschen oder warme Umschläge an.
Auch eine lockere Brustmassage kann helfen. Auf ihr sollte aber zusätzlich ein händisches Ausstreichen des betroffenen Busens erfolgen.

Wunde Brustwarzen

Viele Frauen, die ihr Baby stillen, haben mit wunden Brustwarzen zu kämpfen. Die Ursache ist meist ein falsches Anlegen des Babys an die Brust. Aber auch wenn sein Mund zu wenig vom Warzenhof erfasst, kann das schnell zum besagten Stillproblem führen.

Wunde Brustwarzen lassen sich weitestgehend vorbeugen, indem natürlich das Baby richtig angelegt und zwischen den Stillpositionen regelmäßig gewechselt wird. Die Nachsorgehebamme kann zum Beispiel dabei helfen. Aber auch professionelle Stillberatungen bieten sich an.
Wird ein warmer Waschlappen vor dem Stillen auf die Brust gelegt, führt dies zu geweiteten Milchgängen. Folglich kann die Muttermilch leichter fließen und das Kind braucht weniger intensiv saugen.
Natürlich sollten die Brustwarzen auch unabhängig vom Stillen vor unnötiger Reibung geschützt werden. Hautfreundliche Stilleinlagen können dabei helfen. Außerdem bieten sich ein paar Tropfen Muttermilch oder etwas Brustwarzensalbe an, um die Brustwarzen zu fetten und das Gewebe geschmeidig zu machen.

Brustentzündung (Mastitis)

Eine Brustentzündung ist bedingt durch Keime. Häufig ist sie eine Folge eines nur unzureichend behandelten Milchstaus. Die körperwarme Milch bietet dabei einen idealen Nährboden. Aber auch feine Hautwunden lassen die entzündungserregenden Keime in die Brustwarze eindringen und können zur Mastitis führen.

Um eine Brustentzündung weitestgehend vorzubeugen, sollte Milchstau ausreichend behandelt werden. Besser ist es, es gar nicht erst zu einem Stau kommen zu lassen. Aber auch ein häufigeres Wechseln der Stilleinlagen, wie auch gründliches Waschen der Hände vor Brustkontakt, kann das Entzündungsrisiko deutlich senken.

Bei einer bereits entzündeten Brust ist es nach wie vor wichtig, diese regelmäßig und ausreichend zu leeren. Ein kalter Quarkwickel begünstigt die Heilung und ist insbesondere auch nach dem Stillen äußerst wohltuend für die betroffene Brust.
Sollte jedoch nach ein bis zwei Tagen keine Besserung eintreten, sollte der Frauenarzt aufgesucht werden. Eine unbehandelte Brustentzündung kann schnell gefährlich werden.

Form der Brustwarzen

Wenn das Stillen nicht sofort klappt, suchen die meisten jungen Mütter das Problem bei sich selbst. Häufig haben sie Bedenken über die Form ihrer Brustwarzen: Flachwarzen, Hohlwarzen, zu groß oder zu klein. Dies projizieren sie dann gerne auch auf das Kind, welches sich schließlich noch schwerer tut.

Die Sorgen über die Brustwarzenform sind in aller Regel aber völlig grundlos! Für das Baby ist jede Brust neu, egal wie ihre Warzen geformt sind. Es muss sich erst auf diese einstellen, was mal schneller geht, aber umgekehrt eben auch etwas länger dauern kann.

Auch wenn es nicht zwingend notwendig ist, können sehr kleine vor dem Stillen durch etwas Zupfen stimuliert werden, sodass sie sich besser hervorheben. Auch Brustwarzenformer und Stillhütchen sind dabei ein beliebtes Hilfsmittel.

Trotz Stillen nimmt das Baby ab

Dass das Baby die ersten Tage nach der Geburt bis zu zehn Prozent seines Gewichtes abnimmt, ist völlig normal. Nach etwa 10-14 Tagen sollte es sein Geburtsgewicht jedoch wieder erreicht haben.

Der Arzt wird bei den U-Untersuchungen stets auf das Gewicht achten und auch die Nachsorgehebamme wird dies in aller Regel bei ihren Besuchen beobachten.

Ein gutes Anzeichen dafür, dass das Kind genügend trinkt, sind fünf bis acht nasse Windeln auf 24 Stunden gerechnet. Bei Unsicherheit kann natürlich auch nachgewogen, sowie der Arzt oder die Hebamme gefragt werden.

Saugverwirrung / Ablehnung der Brust

Ein gängiges Stillproblem ist die Saugverwirrung, bei der das Stillbaby die Brust seiner Mutter ablehnt. Vergleichsweise häufig kommt es zu einer solchen Brustverweigerung, wenn das Baby zum ersten mal an einer Flasche oder einem Schnuller gesaugt hat. Dies ist natürlich leichter und führt entsprechend dazu, dass es beim schwierigeren Saugen an der Brust schnell unruhig wird und in den Bruststreik tritt.

Die genauen Ursachen für Saugverwirrungen sind jedoch nicht geklärt, sodass nicht zwingend ein Fläschchen oder ein Schnuller dran schuld sein müssen. Es ist jedoch ein allgemeiner Rat, auf beide Hilfsmittel solang zu verzichten, wie es gut mit dem Stillen klappt.
In Einzelfällen kann kurzzeitig nach der Geburt, Zugabe von Flaschennahrung notwendig sein. Hier sollte zu Trinksaugern gegriffen werden, die burstwarzenförmig und nicht so leicht zu saugen sind. Dies lässt die Gefahr einer Saugverwirrung senken.

Kommt es zu einer Ablehnung der Brust, sollte Ruhe bewahrt und es immer wieder versucht werden. Häufig findet das Baby von allein wieder zur richtigen Saugtechnik zurück. Falls nicht, bietet sich eine Hilfestellung durch die Hebamme oder besser eine professionelle Stillberatung an.

Sollte es absolut gar nicht mehr klappen wollen, ist natürlich über das Abstillen nachzudenken. Wichtig jedoch ist es, es bei einem Bruststreik nicht zu einem Milchstau kommen zu lassen. Durch Ausstreichen oder Abpumpen der Muttermilch lässt sich dies und damit auch eine meist darauf folgende Brustentzündung vorbeugen.

Einseitig längeres Trinken

Gewissermaßen ist das Stillen mit einem 3-Gänge-Menü zu vergleichen: Die Mahlzeit beginnt mit einer sehr wasserreichen und kalorienarmen Milch, die den Durst des Babys löscht. Kurz darauf ändert sich deren Zusammensetzung zu einer fett- und kalorienhaltigen Muttermilch, die das Kind sättigt. Zu guter letzt wird die Brust gewechselt, um erneut den Durst mit leichter Kost zu stillen. Quasi wie bei einer richtigen Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise.

Es ist also völlig normal und kein wirkliches Stillproblem, wenn das Baby länger an der einen Brust saugt. Umso wichtiger ist es jedoch, beim nächsten Stillen mit der letzten Seite zu beginnen, sodass beide Brüste regelmäßig ausreichen entleert werden. So ist sichergestellt, dass es durch ein einseitig längeres Trinken, nicht zu einem Milchstau auf der anderen Seite kommt.

Spucken beim Stillen

In den ersten Monaten ist es völlig normal, wenn das Neugeborene während des Stillens spuckt. Dabei spielt auch keine Rolle, ob die Muttermilch sanft aus seinem Mund rinnt oder in einem Schwall heraus gespuckt wird.
Viele Mütter deuten dies als Anzeichen dafür, dass das Baby genug getrunken hat und satt ist. Dabei handelt es sich jedoch meist um eine falsche Annahme. Solang es weiter trinken möchte, sollte es gelassen werden, bis es schließlich von selbst aufhört.
Spuckt das Baby kurz nach einer Mahlzeit, sollte es sicherheitshalber noch einmal angelegt werden. Eventuell ist es noch hungrig.

Bei regelmäßigen Spucken nach dem Stillen, sollte künftig auf eine aufrechte Stillhaltung geachtet werden. Außerdem sind abrupte Positionsveränderungen und schnelle Bewegungen zu vermeiden, während das Baby gestillt wert. Auch diese können derartige Stillprobleme verursachen.

Einschlafen beim gestillt werden

Die meisten Mütter erleben es zumindest einmal während der Stillzeit, dass das Kind während des Stillens einschläft. Grundsätzlich mag dies zwar kein Problem sein, jedoch kann das ganze dadurch recht zeitintensiv werden. Schläft das Baby beim gestillt werden öfters mal ein, kann einiges zur Vorbeugung getan werden:

  • Durch einen häufigeren Wechsel der Brust, gerät das Baby gar nicht erst in Versuchung beim Stillen einzuschlafen.
  • Auch ein liebevolles Streichen über seine Wange oder leichten Kitzeln des Ohres, kann es in letzter Sekunde noch vom einschlafen abhalten. Natürlich bedarf dies der vollen Aufmerksamkeit, um auch mitzubekommen, wenn das Kind in Versuchung gerät, seine Augen zu schließen.
  • Häufig schläft das Baby aus Erschöpfung beim Saugen ein. Um das Trinken zu erleichtern, sollte die Brust vor dem Stillen angewärmt werden. Dies regt den Milchfluss an und beugt wohlmöglich das Stillproblem vor.

Weinen beim Trinken

Wenn das Baby beim Trinken weint und es dazu gar unterbricht, kann dieses Stillproblem gleich mehrere Ursachen haben:

Gelegentlich bevorzugt es einfach die andere Seite. Wird schließlich die Brust gewechselt, hört es mit dem Weinen auf. Natürlich sollte die Benachteiligte, um einen Milchstau vorzubeugen, regelmäßig manuell geleert werden. Meist legt sich das wählerische Problem nach ein paar Tagen auch wieder von selbst.

Aber auch Verdauungsprobleme sind eine mögliche Ursache, warum das Baby weint. Ein Anzeichen dafür kann ein gluckernder Magen sein. Bei häufigem Auftreten sollte vor jeder Mahlzeit ein warmes Kirschkernkissen auf seinen Bauch gelegt werden, um die starken Darmbewegungen abzumildern.

Möglicherweise ist aber auch einfach nur das Näschen verstopft. Eine verstopfte Nase kann dem Baby das Trinken erschweren, sodass es anfängt zu weinen. Mithilfe von Nasentropfen für Babys aus der Apotheke (isotone Kochsalzlösung), sind die Nasenlöcher aber schnell wieder frei. Als alternatives Hausmittel werden stattdessen auch gerne ein paar Tropfen Muttermilch genutzt, wird auch ihr eine abschwellende Wirkung nachgesagt.

Hilfe bei Stillproblemen

Bei Stillproblemen, die länger andauern sollte sich professionelle Hilfe gesucht werden. Erste Anlaufstelle ist meist die Hebamme. Doch es gibt auch ausgebildete Stillberatungen, die meist mehr Wissen und Erfahrung mit Problemen beim Stillen haben. Außerdem bieten sich spezielle Stillgruppen an, in denen sich Mütter untereinander austauschen.

Natürlich bleibt es jeder Mutter selbst überlassen ob sie sich bei Stillproblemen helfen lassen möchte, oder mit dem Abstillen beginnt. Vorwürfe sollten sich jedoch nicht gemacht werden, weder über die Entscheidung, noch über das Auftreten der Probleme!

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