Wassergeburt – Geburt im Wasser

Immer mehr Frauen wünschen sich eine entspannte Wassergeburt und wollen ihrem Kind so einen sanften Übergang ins Leben ermöglichen. Die Nachfrage ist seit Anfang der Achtzigerjahre stetig steigend, sodass in Deutschland mittlerweile etwa 5.000 Babys pro Jahr im Wassergeboren werden. Auch die Geburtskliniken und Geburtshäuser haben den Trend erkannt und rüsten mit speziellen Geburtswannen für die Unterwassergeburt in ihren Häusern auf.

Frau hält Baby nach Wassergeburt

Eher unwichtig, aber dennoch zu differenzieren ist, dass von einer „echten“ Wassergeburt eigentlich nur die Rede sein kann, wenn die Schwangere den gesamten Geburtsvorgang im Wasser verbringt und auch dort ihr Baby zur Welt kommt. Häufig wechselt die Gebärende jedoch, zwischen der Eröffnungs- und Austreibungphase, den Ort und verweilt nicht die ganze Zeit während der Geburt im Geburtsbecken.

Voraussetzungen für eine Wassergeburt

Eine Wassergeburt eignet sich nicht für jede Schwangere. Sie bringt gewisse Voraussetzungen mit, die der Sicherheit der werdenden Mutter und ihrem noch ungeborenen Kind dienen. So verlockend die Geburt im Wasser für manche Frau auch klingen mag, an erster Stelle sollte jedoch stets die Gesundheit beider Seiten stehen!

Grundsätzlich aber eignet sich eine Wassergeburt bei allen Schwangerschaften, die ohne Komplikationen verlaufen sind und auch keine bei der Geburt zu erwarten sind. Folgende Risikofaktoren sprechen jedoch gegen eine Geburt im Wasser:

  • Frühgeburt (bis einschließlich 36. SSW.)
  • Zwillinge bzw. Mehrlingsschwangerschaften
  • sehr große Babys
  • komplizierte Geburtslagen (z. B. Beckenendlage)
  • auffällige Herztöne des Kindes
  • vaginale oder systemische Infektionen der Mutter (z. B. HIV, Herpes oder Hepatitis)
  • bei grünem Fruchtwasser (enthält große Beimengungen an Kindspech)
  • Vorerkrankungen der werdenden Mutter (z. B. Diabetes, Bluthochdruck oder Präeklampsie)
  • Geburtskomplikationen bei vorausgegangenen Schwangerschaften

Doch auch während der Wassergeburt selbst kann es zu Komplikationen kommen, die ein Verlassen des Geburtsbeckens erforderlich machen können. So ist bei Kreislaufproblemen, Übelkeit, aber auch bei sehr starken Wehenschmerzen ein Wechsel in den Kreißsaal nötig.

Ablauf einer Geburt im Wasser

Während der Wassergeburt verbringt die in den Wehen liegende Schwangere die Zeit zwischen der Eröffnungs- und Austreibungsphase im Gebährbecken. Dabei kann sie eine ihrer Befindlichkeit angenehme Position einnehmen und diese natürlich auch zwischenzeitig wechseln. Die Geburtswanne ist groß genug, um nahezu jede Geburtsstellung einzunehmen.
Penibel betrachtet verbringt die Gebärende, die komplette Zeit einer Wassergeburt im Wasser. Viele Frauen wechseln jedoch immer mal wieder zwischen der Gebärwanne und einer Position außerhalb. Solang medizinisch nichts dagegen einzuwenden ist, sollte sich diese Freiheit auch genommen werden, um eine angenehmere Position zu finden. Die meisten Geburtswannen sind dazu mit einem tiefen Einstieg ausgestattet, um den Ein- und Ausstieg zu erleichtern.

Nicht anders wie einer natürlichen Geburt im trockenen, erhält die gebärende Schwangere auch bei einer Wasserentbindung Unterstützung von einem Geburtshelfer bzw. der Hebamme und dem Partner. Diese befinden sich jedoch außerhalb der Wasserwanne.

Die optimale Wassertemperatur liegt übrigens zwischen 36 und 38 Grad Celsius. Während der Eröffnungsphase wirkt das warme Wasser entspannend und häufig auch wehenfördernd zugleich.
Gelegentlich ist die Wirkung aber auch umgekehrt, sodass die Eröffnungswehen wieder nachlassen oder sogar ganz verschwinden. In einem solchen Fall sollte die Wassergeburt nach spätestens einer halben Stunde unterbrochen und erst mit den nächsten Schub starker Wehen wieder fortgesetzt werden. Nach mehreren erfolglosen Anlaufen ist über eine alternative Entbindung im Kreißsaal nachzudenken.

Einen Zwang das Baby auch wirklich im Wasser zur Welt bringen zu müssen gibt es sowieso nicht. Vielen Frauen dient die Geburtswanne während der Eröffnungsphase nur zur Entspannung. Die Austreibungsphase dagegen geht es dagegen ganz klassisch in den Kreißsaal.

Nach der Geburt im Wasser

Nach der Geburt des Babys unter Wasser, legen es die Geburtshelfer seiner Mutter auf den Bauch. Dabei wird es regelmäßig mit dem warmen Wasser aus dem Geburtsbecken begossen und dadurch warmgehalten. Die Nabelschnur wird noch im Becken durchtrennt. Für die Nachgeburt müssen Mutter und Kind zwar nicht zwingend sofort aus dem Wasser, spätestens aber nachdem auch diese geboren ist, sollte es sehr bald verlassen werden, um Infektionen zu vermeiden.

Beide sind anschließend gut warm zu halten. Das Neugeborene dabei mit seiner Mama im direkten Hautkontakt in ein großes Handtuch oder eine Decke einzuwickeln, wird meist von beiden Seiten sehr genossen und stärkt auch das sogenannte Bonding.

Medizinische Überwachung der Entbindung im Wasser

Während der Wassergeburt sollte die Schwangere zu keinem Zeitpunkt alleine gelassen werden! Nur so ist gewährleistet, dass bei einem Notfall schnell reagiert und der Frau aus dem Wasser geholfen werden kann. Auch beim Wechsel vom Becken nach Außerhalb ist stets Unterstützung zu leisten, um ein Sturz bei plötzlichen Kreislaufstörungen zu vermeiden.

Natürlich wird die Geburt im Wasser auch medizinisch überwacht. Dazu werden wasserfeste und meist kabellose Überwachungsinstrumente verwendet. Die Wehenstärke, wie auch die Herztöne des Kindes lassen sich daher auch bei einer Wassergeburt im Gebärbecken kontinuierlich überwachen.

Ein Dammschnitt wird heute zwar kaum noch gemacht und ist insbesondere bei einer Unterwassergeburt umso seltener, sollte aber die medizinische Notwendigkeit bestehen, ist auch ein solcher vom Beckenrand problemlos im Wasser möglich. Durch eine regelmäßige Massage des Damms lässt sich das Risiko aber auch im Vorfeld noch mehr senken.

Vor- & Nachteile einer Wassergeburt

Eine Geburt im Wasser wird nicht von jeder Schwangeren gleich empfunden. Die persönliche Empfindung sollte aber ein grundlegender Bestandteil dafür sein, überhaupt eine Wassergeburt in Erwägung zu ziehen. Dabei sind die Vor- und Nachteile selbst, bzw. gemeinsam mit dem Partner abzuwägen.

Vorteile einer Wassergeburt:

  • das warme Wasser trägt zur Entspannung der werdenden Mutter bei
  • meist kürzere Geburtsdauer und damit weniger anstrengend
  • ein Wechsel zwischen den Geburtspositionen fällt i. d. R. leichter
  • Druckgefühl und Schmerzen werden im Wasser meist weniger stark wahrgenommen
  • geringeres Risiko eines Dammschnitts bzw. Dammrisse hohen Grades
  • weniger Geburtsstress für das Neugeborene, da das warme Wasser in der Geburtswanne in etwa der Temperatur des Fruchtwassers entspricht

Risiken einer Unterwassergeburt:

  • die Wassergeburt erfolgt ohne Periduralanästhesie (PDA)
  • höheres Infektionsrisiko, aufgrund vergleichsweise weniger möglichen hygienischer Maßnahmen im Wasser
  • im Notfall verstreicht unter Umständen wertvolle Zeit, durch den Ausstieg aus dem Geburtsbecken

Neben den Vor- und Nachteilen ist natürlich auch bei der Klinikwahl selbst darauf zu achten, dass diese über ein Geburtsbecken verfügt und wie erfahren das Personal mit dieser Entbindungsform ist. Außerdem sollte Auskunft über die Wahrscheinlichkeit gegeben werden können, ob die Geburtswanne zum Zeitpunkt des voraussichtlichen Geburtstermins überhaupt zur Verfügung steht.
Hilfreich und besonders vertrauensvoll ist es natürlich auch, wenn das Krankenhaus bzw. Geburtshaus selbst einen speziellen Geburtsvorbereitungskurs anbietet, in dem auch das Thema Wassergeburt mit angesprochen wird.

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