Hausgeburt – Geburt zuhause in den eigenen vier Wänden

In Deutschland ist die Entbindung in einer Geburtsklinik zwar üblich, aber nicht zwingend vorgeschrieben. Etwa jedes fünfzigste Kind wird außerhalb einer Klinik geboren. Viele der Schwangere entscheiden sich dabei bewußt gegen eine Geburt im Krankenhaus. Auch wenn es durchaus mehr Möglichkeiten geben mag, als das Baby in den eigenen vier Wänden zu bekommen, bevorzugen viele Schwangere dabei eine Hausgeburt.

Baby nach einer Hausgeburt

Warum Frauen sich eine Geburt zuhause wünschen

Einer der maßgebendsten Gründe, warum sich Frauen in der Schwangerschaft für eine Hausgeburt entscheiden, ist das vertraute Umfeld, in dem sie ihr Kind auf die Welt bringen möchten: Eine gewohnte räumliche Umgebung ohne blinken und piepsen medizinischer Geräte, kein ständig wechselndes Klinikpersonal sondern die vertraute Hebamme und auch der Kindesvater wird meist aktiv in das Geburtsgeschehen mit einbezogen.

Außerdem steht die werdende Mutter bei einer Hausgeburt nicht unter Zeitdruck. Weder wird die Geburt künstlich beschleunigt, noch wird sie verzögert. Auch in Krankenhäusern übliche Routinemaßnahmen (u. a. ein Einlauf oder die Rasur des Intimbereiches) werden nicht gemacht, sowie keine venösen Zugänge gelegt werden.

Für den Kindesvater ist eine Hausgeburt ebenfalls etwas besonderes. Er ist nicht nur aktiv bei der Geburt mit eingebunden, sondern auch von Beginn an bei seinem Kind. Lange Fahrtwege zum Krankenhaus oder Besuchszeiten an die er sich zu halten hat, gibt es zuhause schlichtweg nicht.

Risiken die gegen eine Hausgeburt sprechen

Doch nicht in allen Fällen ist eine Hausgeburt möglich. Bestimmte Risiken sprechen gegen eine Geburt in den eigenen vier Wänden. In folgenden Fällen sollte zur Entbindung in ein ein Krankenhaus gegangen werden:

  • Risikoschwangerschaft
  • Mehlingsschwangerschaften
  • Beckenendlage oder Querlage des Kindes
  • eine vor dem Muttermund gelegende Plazenta
  • frühere Kaiserschnittgeburt
  • Erkrankung an Diabetes, Asthma, Epilepsie, Präeklampsie oder Herzerkrankungen
  • sonstige schwangerschaftsbedingte Erkrankungen
  • Erkrankungen oder Fehlbildungen des Babys
  • Frühgeburt (bis einschließlich der 37. SSW.) oder ab der 42. SSW.

Bestehen diese Risiken nicht und haben auch Frauenarzt und Hebamme keine Einwände, spricht medizinisch gesehen im Regelfall nichts gegen eine Hausgeburt. Sollte es aber kurz vorher oder während des Geburtsverlaufs dennoch zu Komplikationen kommen, wird die Hebamme den Weg in die Klinik veranlassen. Dies ist jedoch nur selten der Fall und meist auch ohne akuten Notfall, lediglich aus vorsorglichen Gründen. Ebenfalls aus Vorsorge sollte daher trotzdem auch die gepackte Kliniktasche bei einer Hausgeburt bereitstehen.

Auch nach der Geburt, bedarf es nur in äußerst seltenen Fällen eine direkte ärztliche Versorgung von Mutter und Kind. Statistisch gesehen liegt das Risiko von Geburtskomplikationen nach unauffälligen Schwangerschaften bei unter einem halben Prozent.

Kostenübernahme der Geburt in den eigenen vier Wänden

Die Kosten für eine Hausgeburt, samt Betreuung durch die Hebamme, werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Vereinzelnd ist jedoch eine Pauschale für die Rufbereitschaft aus eigener Tasche zu entrichten. Diese beträgt etwa 150 bis 300 Euro. Manche Krankenkassen übernehmen aber auch diese, sodass nachfragen zwar nichts kostet, sich aber unter Umständen lohnen kann.

Vorbereitungen auf die Hausgeburt

In aller Regel werden Schwangere durch die Hebamme auf die bevorstehende Hausgeburt gut vorbereitet. Dennoch haben wir eine kleine Checkliste erstellt, um nichts bei der heimischen Geburtsvorbereitung zu vergessen:

  • Rezept für oder bereits bereitliegende Anti-D-Prophylaxe bei Blutgruppe Rhesus negativ
  • sicherstellen, dass der Geburtsraum sich sowohl Tag, als auch Nacht gut beheizen lässt
  • eine wasserundurchlässige Matratzenauflage und mehrere Einmalunterlagen
  • gute Beleuchtung und ggf. eine Beistelllampe
  • Thermoskanne mit heißem Wasser
  • Uhr oder Wecker
  • Keilkissen
  • Kirschkernkissen
  • große Plastikschüssel und ein Eimer
  • Fieberthermometer (sollte in keinem Haushalt mit Kind fehlen!)
  • Wärmflasche (nicht zu heiß!)
  • kleine Snacks und Getränke bereitstellen
  • Traubenzucker
  • ggf. Massageöl
  • bequeme Kleidung für die Geburt und frische für danach
  • weiches Handtuch für das Baby

Wichtige Unterlagen, wie auch Telefonnummern und der Mutterpass sollten natürlich bereitliegen. Auch eine gepackte Kliniktasche ist sinnvoll, falls es zu Komplikationen kommt. Bei Geschwisterkindern ist die Kinderbetreuung rechtzeitig zu klären und auch der Kinderarzt sollte für die U-Untersuchen bereits gefunden bzw. die Formalitäten geklärt sein.

Vor- und Nachteile der Geburt zuhause

Die Entscheidung, ob eine Hausgeburt überhaupt in Frage kommt, muss jede Schwangere für sich selbst treffen. Eine Geburt zuhause hat sowohl Vor-, als auch Nachteile. Beides ist unter der Voraussetzung, dass keine medizinischen Bedenken bestehen, persönlich abzuwägen.

Vorteile einer Hausgeburt:

  • Selbstbestimmung bei der Geburt
  • vertrautes räumliches Umfeld
  • bekannte Gesichter (z. B. Hebamme) statt Klinikpersonal im Schichtbetrieb
  • eine Geburt ohne Zeitdruck
  • keine Routinemaßnahmen und Routineeingriffe
  • die Geburt wird weder künstlich beschleunigt, noch verzögert
  • aktives einbeziehen des Kindesvaters in das Geburtsgeschehen

Nachteile einer Hausgeburt:

  • keine schmerzlindernden Medikamenten oder Periduralanästhesie (PDA)
  • bei Komplikationen sind Frauen- und Kinderarzt nicht sofort zur Stelle
  • ggf. muss die Hausgeburt abgebrochen und doch ins Krankenhaus gefahren werden

Geburtshaus als Alternative zur Hausgeburt

Sicherlich wünschen sich viele Schwangere bei der Geburt eine vertraute Atmosphäre, wie zuhause in den eigenen vier Wänden. Eine Hausgeburt aber wollen sie in den meisten Fällen jedoch nicht. Als Mittelweg zwischen der Geburt zuhause und in einem Krankenhaus, sollte ein Geburtshaus als Alternative in Betracht gezogen werden.

Geburtshäuser werden durch Hebammen geleitet und wollen eine ähnlich vertraute Umgebung, wie bei einer natürlichen Hausgeburt ermöglichen. Die Zimmer sind wohnlich eingerichtet und anwesend ist auch kein fremdes Klinikpersonal, sondern lediglich die vertraute Hebamme und der Kindesvater bzw. sonstige Begleitpersonen.

Die Bedingungen dafür, wann eine Hausgeburt möglich ist, verhalten sich jedoch ähnlich bei einer Geburt im Geburtshaus. Werden diese nicht erfüllt, sollte zum Schutze von Mutter und Kind, mit dem klassischen Krankenhaus vorlieb genommen werden.

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