Wochenbett – Eine gute Wochenbettbetreuung ist wichtig!

Das Wochenbett bezeichnet die ersten sechs bis acht Wochen nach der Entbindung. Während dieser Zeit, kann sich der weibliche Körper von den Strapazen der Schwangerschaft und Geburt erholen. Neben der Rückbildung, ist das Wochenbett aber auch für die Mutter- bzw. Eltern-Kind-Bindung sehr wichtig.
Meistens wird das Kindbett durch eine Nachsorgehebamme begleitet. Sie ist während dieser Zeit für viele junge Mütter eine wichtige Vertrauensperson. Insbesondere aber wenn es zum hormonbedingten Baby-Blues kommt, der unter Umständen auch in eine Wochenbettdepression oder Wochenbettpsychose umschlagen kann.

Frau im Wochenbett

Körperliche Veränderungen

Die neun Monate der Schwangerschaft haben sich sichtlich auf den Körper ausgewirkt. Spätestens auf der Zielgeraden, hat sich dies auch nicht mehr wirklich verbergen lassen. Mit der Geburt nimmt die Schwangerschaftszeit schließlich zwar ein erwartetes, aber doch plötzliches Ende.
Es wäre reines Wunschdenken, dass der Körper unmittelbar nach der Entbindung zu seiner alten Form zurückgelangt. Das Wochenbett spielt für die Geburtsrückbildung eine besonders wichtige Rolle.

Rückbildung der Gebärmutter

Während der Schwangerschaft nimmt die Gebärmutter um ca. das 20-fache ihrer Größe zu. Auch ihr Gewicht steigt in dieser Zeit von etwa 70 Gramm, auf rund ein ganzes Kilo. Um sich nach der Entbindung besser zurückbilden zu können, unterstützt der Körper sie mit Kontraktionen. Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter, denn das dabei ausgeschüttete Hormon Oxytocin begünstigt die Wehenbildung.

Zu den erstem Nachwehen kommt es meist schon wenige Stunden nach der Geburt. Sie begleiten die junge Mutter die nächsten Tage, bis die Gebärmutterrückbildung schließlich abgeschlossen ist. Verläuft die Rückbildung ohne Komplikationen, hat die Gebärmutter nach etwa zehn Tagen wieder ihre Ursprungsgröße erreicht.

Wochenfluss

Die Schwangerschaftszeit über haftet die Plazenta fest an der Gebärmutter, ehe sie zur Geburt abgestoßen wird. Dabei hinterlässt die Nachgeburt eine blutende Wunde. Diese Blutung wird als Wochenfluss bezeichnet.

Während der erste Tage ist der Wochenfluss verhältnismäßig stark und enthält sogar noch Reste der Plazenta. Kleinere Klumpen zu beginn in der Blutung sollten daher kein Grund zur Besorgnis sein, sondern sind völlig normal.
Nach und nach wird das ausgeschiedene Wundsekret schließlich immer schwächer und seltener. Anfangs ist es noch hell und geht schnell ins tiefrote/bräunliche über, ehe es eine gelb-weißliche Farbe annimmt. Von der regulären und bald wieder einsetzenden Regelblutung ist der Wochenfluss optisch gut zu unterscheiden. Wie lange er insgesamt andauert, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Meistens jedoch endet der Wundenfluss etwa vier bis sechs Wochen nach der Geburt.

Die Hygiene beim Wochenfluss spielt eine äußerst wichtige Rolle! Um einen guten Abfluss des Wundsekrets zu gewährleisten, sollte währenddessen auf Tampons verzichtet werden. Stattdessen ist auf saugstarke Wochenbettbinden oder Wochenbetteinlagen zurückzugreifen. Alternativ bieten sich auch spezielle Wochenbett Slips an.

Wochenbett nach Kaiserschnitt

Ist das Baby per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen fügt sich eine weitere Geburtswunde dazu. Natürlich mag diese Wunde im Krankenhaus umgehend vernäht worden sein, doch auch die Kaiserschnittnarbe benötigt ihre Zeit, um vollständig zu verheilen.

Das Wochenbett nach einem Kaiserschnitt bedarf mehr Ruhe, als bei einer spontanen Geburt. Daher dauert allein schon der Krankenhausaufenthalt mit drei bis sieben Tagen vergleichsweise länger an. Aber auch zu Hause sollte das Schonprogramm weitergehen. Allein schon das Baby zu tragen oder wickeln ist in der Anfangszeit mit einer Kaiserschnittnarbe zu meiden.

Mögliche Wochenbettkomplikationen

Wochenbettkomplikationen sind zwar äußerst selten, aber dennoch möglich. Häufig kommt es zu solchen, wenn die Rückbildung oder Wunderheilung gestört sind. Sie äußern sich durch Fieber und verstärkte Blutungen, obwohl der Wochenfluss eigentlich bereits rückgängig und bernsteinfarben war. Natürlich ist zu berücksichtigen, dass auch einfach nur die erste Periode nach der Geburt eingesetzt haben kann.

Aber auch ein Milchstau kann sich einer ernstzunehmenden Komplikation im Wochenbett entwickeln. Insbesondere dann, wenn er die Körpertemperatur ansteigen lässt. Schnell kann daraus auch Fieber oder gar eine Brustentzündung (Mastitis) werden.

Weitere mögliche körperliche Wochenbettkomplikationen können auch Thrombosen oder Embolien sein. Ein erhöhtes Risiko besteht, wenn die Wöcherin nach der Schwangerschaft länger ans Bett gefesselt ist und sich nur wenig bewegt. Durch tragen von Kompressionsstrümpfen lassen sich Thrombosen und Embolien in der Regel aber recht gut vorbeugen.

Wochenbettfieber

Bei Fieber im Wochenbett, ist vom sogenannten Kindbettfieber die Rede. Seine Ursache ist meist eine Infektion an der offenen Gebärmutterwunde. Das Wochenbettfieber äußert sich üblicherweise durch folgende Symptome:

  • Druckschmerzen im Unterbauch
  • erhöhte Temperatur (ggf. auch Fieber)
  • sehr unangenehm riechender Wochenfluss
  • plötzlich wieder stärkere Blutungen
  • verzögerte Rückbildung der Gebärmutter

Besteht der Verdacht auf Endometritis puerperalis ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. Dieser wird bei diagnostiziertem Wochenbettfieber ein Antibiotikum verschreiben. Je früher die Behandlung erfolgt, desto rascher heilt die Gebärmutterentzündung wieder ab.

Besser ist es natürlich, dass Kindbettfieber gänzlich vorzubeugen. Eine gute Voraussetzung dafür ist es, während des Wochenbetts besonders penibel auf die Hygiene zu achten.
Auf Tampons sollte, ehe die Wunde an der Gebärmutter nicht verheilt ist, verzichtet werden. Stattdessen ist in dieser Zeit besser auf Binden oder Vorlagen zurückzugreifen.
Auch im Wochenbett baden zu gehen, wird aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr nicht empfohlen. Selbiges gilt für Geschlechtsverkehr, während die Wunden noch nicht vollständig verheilt sind.

Hormonelle Veränderungen & Komplikationen

Neben den körperlichen, haben Mütter im Wochenbett auch mit den hormonellen Veränderungen nach der Schwangerschaft zu kämpfen. Diese äußern sich neben Haarausfall und Schweißausbrüchen, insbesondere auch auf psychischer Ebene.

Baby-Blues

Rund Zweidrittel aller Mütter erleben, etwa um dritten Tag nach der Geburt herum, den sogenannten Baby-Blues. Dieser ist vielen auch besser als die Heultage bekannt. Ausgelöst durch die plötzlichen hormonellen Veränderungen und die unbekannte neue Situation, erleben viele Frauen während dieser Zeit eine regelrechte psychische Bahn- und Talfahrt.

Der Baby-Blues macht sich meist durch folgenden Symptome bemerkbar:

  • Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Überempfindlichkeit
  • Schlafprobleme
  • Appetitlosigkeit

Meistens legt sich die depressive Verstimmung des Baby-Blues schon nach wenigen Stunden. Aber auch, wenn die Heultage mal etwas länger andauern, sollte dies kein Grund zur Besorgnis sein.

Ein starkes und offenes Umfeld ist während dieser Zeit besonders wichtig. Es sollte die Sorgen und Bedürfnisse der Wöchnerin ernst nehmen und nicht auf die Hormone schiebe.

Wochenbettdepression

Etwa zehn Prozent aller Wöchnerinnen verfallen, etwa sechs bis zwölf Wochen nach der Entbindung, in eine Wochenbettdepression. Sie ist wie auch schon der Baby-Blues, ebenfalls auf die hormonellen Veränderungen im Wochenbett zurückzuführen. Aber auch andere Ursachen begünstigen die postnatale Depression nach einer Schwangerschaft. So kann sie ebenfalls durch besonders traumatische Geburtserlebnisse oder ein großes Schlafdefizit ausgelöst werden.

Im direkten Vergleich zu den Heultagen, fällt eine Wochenbettdepression länger und stärker aus. Folgende Symptome sind dabei typisch eine postnatale Depression:

  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Angst- und Panikattacken
  • häufiges Weinen ohne wirklichen Grund
  • Schuldgefühle dem Säugling gegenüber keine gute Mutter zu sein

In aller Regel vergeht die Wochenbettdepression nach einigen Tagen von selbst und muss daher nicht zwingend behandelt werden. Hält sie jedoch länger an und nehmen auch die Symptome zu, so ist ein Arzt aufzusuchen oder zumindest mit der Nachsorgehebamme zu sprechen.

Wochenbettpsychose

Eine Wochenbettpsychose ist äußerst selten. Nur 0,1 Prozent aller Frauen im Wochenbett sind von ihr betroffen. Die Psychose tritt meist binnen der ersten acht Wochen nach der Geburt auf. Ihre Symptome sind deutlich stärker als beim Baby-Bluse oder der Wochenbettdepression.

  • Halluzinationen
  • Realitätsverlust
  • Verfolgungswahn

Es ist zwingend erforderlich, eine Wochenbettpsychose ärztlich zu behandeln. Dazu ist häufig ein stationärer Klinikaufenthalt nötig, da in besonders schweren Fällen möglicherweise auch Suizidgefahr besteht.

Wochenbettbetreuung

Wie bereits während, steht auch nach der Schwangerschaft, jeder Frau die Betreuung durch eine Hebamme zu. Die Nachsorgehebamme besucht auf Wunsch, Mutter und Baby, die ersten zehn Tage nach der Geburt zu Hause.

Neben der kindlichen Nachsorge, betreut sie bei ihrem Besuch auch die Wöchnerin im Frühwochenbett. Dabei beobachtet sie die Rückbildung der Gebärmutter, wie unter Umständen auch die Wundheilung eines Dammrisses oder Dammschnittes, sowie der Kaiserschnittnarbe. Außerdem achtet sie auf den Wochenfluss und mögliche Anzeichen von Komplikationen.
Insbesondere für Erstgebärende, ist die Nachsorgehebamme auch ein wichtiger Ansprechpartner bei Fragen rund ums Baby.

Die Kosten für die Nachsorgehebamme werden durch die gesetzlichen Krankenkasse für die ersten zehn Tage im Wochenbett übernommen. Bei Wochenbettkomplikationen kann die Nachsorge auf bis zu acht Wochen (16 zusätzliche Beratungsgespräche) ausgeweitet werden. Und sofern darüber hinaus noch eine Notwendigkeit besteht, sogar noch etwas länger.

Wochenbettgymnastik

Damit sich die Gebärmutter vollständig zurückbildet und auch der Beckenboden sowie die Bauchmuskeln wieder zu alter Kraft gelangen, ist spezielle Gymnastik im Wochenbett besonders wichtig. Bereits im Geburtsvorbereitungskurs werden dazu besonders effektive Übungen gezeigt. Und auch beim Krankenhausaufenthalt werden entsprechende Gymnastikübungen vermittelt.

Sehr zu empfehlen sind vor allem spezielle Rückbildungskurse, die viele Hebammen anbieten. Mit der Teilnahme sollte aber gewartet werden, bis alle Geburtswunden im Wochenbett verheilt sind. Nach einer sechswöchigen Schonfrist steht der Kursteilnahme aber in der Regel nichts mehr im Wege.
Zwecks Kostenübernahme sollte sich vorab mit der Krankenkasse in Verbindung gesetzt werden. Viele übernehmen die Kurskosten bis zur Teilnahme neun Monate nach der Entbindung.

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