Abtreibungspille – Medikamentöser Schwangerschaftsabbruch mit Mifegyne

Nicht immer ist eine Schwangerschaft erwünscht, sodass sich aus verschiedenen Gründen für die Abtreibung entschieden wird. Eine Möglichkeit ist der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch mit Mifegyne (RU486). Dabei handelt es sich um eine Abtreibungspille, die den Abort ohne instrumentellen Eingreif (z. B. Absaugen oder Ausschaben) ermöglicht. Die Vor- & Nachteile der jeweiligen Abtreibungsmethode sollte jede Schwangere für sich selbst abwägen.

Abtreibungspille Mifegyne

Wirkung von Mifegyne (RU 486)

Mifegyne – früher als Abbruchpille RU 486 bekannt – enthält den Wirkstoff Mifepriston, einem künstlichen Hormon, welches die Wirkung von Progesteron hemmt. Letzteres ist für die Entwicklung, sowie den Erhalt der Schwangerschaft äußerst wichtig.

Durch die medikamentöse Hemmung stoppt folglich die Entwicklung des Embryos. Außerdem löst sich die Gebärmutterschleimhaut und wird anschließend, vergleichbar mit der Periode, abgestoßen.

Auf keinen Fall aber sollte Mifegyne jedoch mit der Pille danach verwechselt werden, die drei bis fünf Tage nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr einzunehmen ist, um eine befruchtung zu verhindern. Die Abtreibungspille dient dem Abbruch einer bereits bestehenden Schwangerschaft.

Ablauf eines Schwangerschaftsabbruchs per Abtreibungspille

Während des ersten Termins beim Frauenarzt oder in der Abbruchklinik, wird per Ultraschall oder Bluttest untersucht, ob tatsächlich eine Schwangerschaft vorliegt und wie weit diese fortgeschritten ist. Außerdem wird die Methode abgeklärt, nach welcher der Schwangerschaftsabbruch erfolgen soll.
Sofern der medikamentösen Abtreibung nichts entgegensteht, so sind unter ärztlicher Aufsicht drei Tabletten Mifegyne einzunehmen. Anschließend kann die Praxis bereits wieder verlassen und der Heimweg angetreten werden.

Es ist möglich, dass bereits am Folgetag die auf den Abort hindeutende Blutung eintritt. Meistens jedoch äußert sich die Wirkung der Abtreibungspille jedoch noch nicht so früh.

Sind 36 bis 48 Stunden vergangen, ist die Frauenarztpraxis erneut aufzusuchen, um schließlich ein Abstoßen der Frucht mittels Prostaglandin (Cytotec) herbeizuführen. Dabei handelt es sich um ein wehenförderndes Mittel, welches die Wirkung von Mifegyne verstärken soll. Bis zur siebten Woche der Schwangerschaft kann es in Tablettenform eingenommen werden, danach hat die Verabreichung vaginal zu erfolgen.
Unter ärztlicher Beobachtung erfolgt anschließend nach etwa zwei bis drei Stunden der Abbruch. Da eine Verzögerung bis zu 24 Stunden möglich ist, wird ggf. eine zweite Dosis Prostaglandin verabreicht, wenn nach drei Stunden noch keine Blutung eingesetzt hat.

Zwei Wochen nach dem Schwangerschaftsabbruch ist eine Nachkontrolle beim Frauenarzt erforderlich. Dieser wird prüfen, ob der Embryo vollständig abgestoßen wurde.

Mögliche Nebenwirkungen von Mifgyne

Wie so viele andere Medikamente, ist auch Mifegyne ist nicht frei von Nebenwirkungen. Schwangere Frauen, die medikamentös abtreiben, sollten daher mit folgenden unerwünschten Begleiterscheinungen der Abbruchpille rechnen:

  • Blutungen
  • Unterleibsschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kreislaufprobleme

Die Blutungen zählen dabei zu den häufigsten Nebenwirkungen von RU486. Sie treten beinahe immer auf und können bis zu zwölf Tage andauern. Von der Stärke her ist sie vergleichbar mit einer stark ausfallenden Menstruationsblutung.
In seltenen Fällen zeigen Mifegyne und Prostaglandin keine ausreichende Wirkung, was die Blutung noch stärker ausfallen lässt. Ist dies der Fall, so ist nachträglich eine Nachkürettage (Ausschabung) erforderlich.

Wann ist Schwangerschaftsabbruch mit Abtreibungspille möglich?

Unabhängig von der Methode des Schwangerschaftsabbruches, setzt der Gesetzgeber in Deutschland ein Beratungsgespräch durch eine anerkannte Beratungsstelle (wie z. B. Pro Familia) voraus. Entsprechende Einrichtungen kann in der Regel der Frauenarzt während der Voruntersuchung benennen. Ein Termin ist häufig noch am gleichen oder einen der nächsten Tage möglich.

Liegt die Bescheinigung über das gesetzlich vorgeschriebenes Beratungsgespräch vor, ist danach außerdem ein Abstand von mindestens drei Tage erforderlich erforderlich. Der Arzt ist verpflichtet den Beratungsnachweis einzufordern und die Wartezeit abzuwarten, da er sich andernfalls strafbar macht. Erst danach darf eine Abtreibung mit der Abtreibungspille oder anderweitig erfolgen.

Wann Mifegyne nicht angewendet werden darf

Zu beachten ist, dass ein Schwangerschaftsabbruch mit der Abtreibungspille nur bis zum 63. Tag (ausgehend vom ersten Tag der letzten Regelblutung) erfolgen kann. Bei einem fortgeschritteneren Schwangerschaftsstadium (bis spätestens zur 15. Schwangerschaftswoche) hat der Abort instrumentell (durch absaugen oder ausschaben) zu erfolgen.

Weitere Gründe, die gegen die Abtreibungspille Mifegyne sprechen können, sind:

  • konkreter Verdacht auf eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (z. B. Eileiterschwangerschaft)
  • Unverträglichkeit gegenüber Mifepriston oder Prostaglandine
  • schweres Asthma
  • chronische Nebenniereninsuffizienz
  • Vorliegen eines Leber- oder Nierenversagens
  • Unterernährung

Vor- & Nachteile gegenüber einer instrumentalen Abtreibung

Die medikamentöse Abtreibung mittels Mifegyne und Prostaglandin bietet gegenüber dem instrumentalen Absaugen und Ausschaben einige Vorteile: Sie ist relativ frühzeitig durchführbar, bedarf keine Narkose und hat auch keinen Kontrollverlust zufolge. Viele Frauen empfinden den Abbruch mit Mifegyne auch als körperlich schonendere Methode.

Im direkten Vergleich zum instrumentellen Schwangerschaftsabbruch, ist die Behandlung per Abtreibungspille deutlich zeitaufwendiger. Außerdem ist mit den vielen möglichen Nebenwirkungen zu rechnen, wie einer typischerweise über mehreren Tage andauernden Blutung. Darüber hinaus können Schmerzen nicht ausgeschlossen werden.

Kosten der Abtreibungspille Mifegyne

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten eines Schwangerschaftsabbruches mittels Abtreibungspille nur, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht. Andernfalls findet nur eine anteilmäßige Kostenübernahme statt. Folgende Kosten werden unabhängig vom medizinischen Notwenden übernommen:

  • ärztliche Beratung vor dem Schwangerschaftsabbruch mit Mifegyne
  • notwendige Medikamente (jedoch nicht die Abtreibungspille selbst)
  • ärztliche Behandlung die vor und nach dem Abort zum Schutz der Gesundheit notwendig sind
  • Behandlungskosten bei auftretenden Komplikationen

Selbst zu zahlen sind dagegen die Kosten für die Abtreibungspille selbst, sowie die der stationären Aufnahme zur Beobachtung. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 350 Euro.

Aufgrund der Missbrauchsgefahr besteht keine Möglichkeit die Abbruchpille günstiger über das Internet zu kaufen. Statt ein Rezept auszustellen, übergibt der Arzt die Tablette der Schwangeren zum Abbruchtermin persönlich.

Bei einem sehr geringen Einkommen können Frauen jedoch die vollständige Kostenübernahme bei der Krankenkasse beantragen, auch ohne dass zwingend medizinische Gründe vorliegen müssen.

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